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Neulandsuche in Island

Der englische Name Islands klingt sehr verdächtig für einen Eiskletterer, verdächtig genug um einmal gründliche Nachforschungen anzustellen. Gespickt mit unzähligen e-mails der liebenswerten einheimischen Kletterszene flogen wir - Markus Bendler, Hermann Erber und ich - am 20. Februar 2007 nach Reykjavik.

Einmal um die Insel – Unser Plan

Während Hermann die Möglichkeiten Islands für gute Bilder im Kopf hatte, Markus die 183 PS unseres 4WD-Jeeps genau studierte, galten meine Sorgen dem Wetter. Als Meteorologe wusste ich über die Launen des Islandtiefs gut bescheid, auch über die immer wieder vorkommenden, mehrwöchigen Tauperioden. Heuer war der Winter in Island im Vergleich zu unserem in den Alpen jedoch recht streng. Es hatte minus 2°C als wir uns mit den Lokals zu einer Lagebesprechung im Alpenvereinshaus trafen. Der Plan war klar - wir werden die Insel einmal umrunden und beim Eiskletterfestival in Kaldakinn vorbei schauen (es wurde extra um eine Woche verschoben, damit wir dabei sein konnten). Unser Hauptaugenmerk galt dann den noch unerforschten Ostfjorden. Der Wetterbericht war erst einmal eine Erleichterung  - kalt, richtig kalt sollte es werden.
Zum Eingewöhnen kletterten wir an der Westküste die beiden Routen „Alien Muffin“ WI 4 und „Dordingull“ WI 5-, erstbegangen von keinem Geringerem als Guy Lacelle. Gewöhnen mussten wir uns auch an die isländischen Wetterbedingungen – 120 km/h Wind mit blitzartigem Wechsel zwischen Sonne und Schneesturm.

Kaldakinn – 3 Seillängen für „Captain Hook“

Angekommen in Kaldakinn, zeigte sich die mehrere Kilometer lange Wand mit über 30 Routen aller Schwierigkeitsgrade in perfektem Zustand – wir kletterten gleich als Erstes die Toproute „Stekkjastaur“ WI 5/6. In Kaldakinn einzigartig ist die Möglichkeit direkt am Meer Eis zu Klettern – ein unglaubliches Erlebnis. Um den Mangel an Mixedrouten in Island etwas zu mindern, bohrten Markus und ich die 3-Seillängen-Route „Captain Hook“ ein. Der Name steht für den Niknamen von Hari Berger - eine würdige Route als Andenken - hoher Eisanteil, heikle Passagen an Eisglasuren und Drytooling an Rissen zeichnen diese lohnende Linie mit Schwierigkeiten bis M9+ aus. Nach einem Bad in der 44°C heißen Lagune am Myvatn-See begann für uns das richtige Abenteuer. Wir versuchten an den Ostfjorden neue Möglichkeiten zu finden. In den ersten zwei Tagen unserer Suche fanden wir jedoch lediglich einen kurzen, aber dafür spektakulären Wasserfall, die Hälfte aus Eis – die andere Hälfte eine Wasserfontäne. Wir tauften die Route „Zoe Harisdottir“ - genau so klein und putzig wie Haris Tochter Zoe.

Marry me? Ein wirklich außergewöhnlicher Tag

Am nächsten Tag entdeckten wir bei schwerstem Schneesturm eine Postkarte vom 118m frei fallenden „Hengifoss“. Ich war mir fast sicher, dass dieser Fall nicht stehen würde, aber einen Versuch war es wert. Nach 1,5 Stunden Zustieg standen wir vor einer total verrückten Eisformation. Genauso wild wurde auch die Kletterei, es war definitiv der abgefahrenste Wasserfall, den ich je geklettert bin. Ich taufte die Route „Marry me?“, solide WI 6+ und schrieb meiner Freundin Vroni eine SMS – es war ernst gemeint. Nach 10 Jahren inniger Partnerschaft wird es nun eine Hochzeit geben!

Eastside Paradise – Ein neues Gebiet wird entdeckt

Einen Tag später schauten wir zum nächsten Fjord und trafen voll ins Schwarze. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir eine 20km lange Wand mit einer Eislinie nach der anderen entdeckten. Ich studierte den Wetterbericht und sah, dass wir in eine starke Tauperiode kamen und den nächsten Tag nutzen sollten. Wir suchten uns die drei schönsten Routen aus und kletterten bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt den ganzen Tag im Eis – es entstanden die genussreichen Routen „Sundlaug“ WI 4/5, „Albatros“ WI 5 (mit 180m der zweithöchste Wasserfall Islands) und „Superbelly“ WI 5.

„Normale“ Touristen

Die Tauperiode wurde stärker, wir packten unser Eiszeug weg und mischten uns unter die „normalen“ Touristen. Wir sahen „Vatnajökull“ - den größten Gletscher Europas, den imposanten Wasserfall „Skogarfoss“ und lebten unsere Kletterlust an diversen Bauwerken Reykjaviks aus. Auf die Frage, die uns nahezu jeder Isländer stellte: „How do you like Iceland?“ können wir nur sagen – „We loved it!“

© 2015 Mag. Albert Leichtfried - Meteorologe - Bergführer - Extremkletterer
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Fritschi Diamir