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Honeymoon in Madagaskar

„Merci!“ - die strahlend weissen Zähne des kleinen Jungen in Diego Suarez leuchten bis zu den Ohren. Vroni und ich sind auf unserer Abreise aus dem tropischen Paradies und verteilen unseren Rest an Bonbons unter den einheimischen Kindern. Sie freuen sich alle und bedanken sich schüchtern. Unsere kleinen Geschenke sind allzu schnell verbraucht, es gibt viele Kinder auf den Strassen von Diego. Wir nehmen Abschied vom tropischen Sommer mit über +30°C, von all den Erlebnissen der letzten Wochen und den überaus freundlichen Einheimischen.

Montagnes des Français

Ein paar Wochen davor waren wir noch ziemlich gestresst zu unserer Hochzeitsreise auf die Nordseite Madagaskars aufgebrochen. Wir reisten in eine andere Welt. Mora, mora! – alles ruhig und ohne Stress – so läuft die Zeit auf der großen Insel, wir waren schon nach wenigen Tagen erholt und entspannt. Nachdem wir uns an die Hitze etwas gewöhnt hatten, erkundeten wir das Klettergebiet von Diego, den Franzosenberg oder Montagnes des Français, benannt nach den Franzosen und Madagassen, welche harte Schlachten gegen das Vichy- Regime im zweiten Weltkrieg führten. Mit recht wenig Information über das Gebiet - Michel Piola schickte uns ein kleines Topo-Heft mit herzlichen Wünschen -  marschierten wir Ende Oktober das erste Mal in Richtung der mehreren Kilometer langen Wand. Aus der Ferne sahen die Felsen recht unspektakulär aus, doch am Wandfuß angelangt, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Felsen wie man sie sonst nur aus Thailand kennt - stark versintert mit viel Struktur, riesige Stalaktiten und mit einem Farbenreichtum ähnlich eines Regenbogens präsentierte sich die bis zu 100m hohe Wand. Auch die Kletterei ließ keine Wünsche übrig, Michel hat gute Arbeit geleistet. Er bohrte in den letzten Jahren mit Hilfe einigen Kollegen rund 120 wunderschöne Seillängen im Bereich zwischen 4 und 7c ein. Der Hauptanteil der Routen liegt im allseits beliebten Bereich zwischen 6a und 7a. Wir konnten es kaum glauben, wir waren tatsächlich hier in einem Paradies, und noch dazu alleine! Weit und breit kein Kletterer, lediglich die schwach vorhandenen Chalkspuren wiesen darauf hin, dass auch schon ein paar andere Kletterer auf dieses Juwel gestoßen waren. Auch in unserer Lodge, der King’s Lodge waren wir die einzigen Gäste. Ein Klettergebiet und ein Hotel für sich alleine zu haben, auf der Hochzeitsreise – was gibt es Schöneres?

Honeymoon - im wahrsten Sinne des Wortes

Nach einer Woche trafen unsere Freunde Klaus und Uli in Diego ein. Jetzt waren wir zu viert im Gebiet. Gestärkt mit süßen Mangos, Bananen oder Ananas machten wir uns daran, auch unseren Beitrag zur Entwicklung dieses zukunftsträchtigen Klettergebietes beizusteuern. Schon am ersten Tag stach mir ein Pfeiler der Sonderklasse ins Auge. Dort wollte ich beginnen, unsere mitgebrachten Bolts zu versenken. Der über 30 Meter hohe Pfeiler, ausgestattet mit Sintern und Löchern an perfektem, griffigem Kalk wurde mit Sicherheit meine schönste Erstbegehung im Fels bisher. Der Name Honeymoon soll die ganze Schönheit dieses magischen Platzes zum Ausdruck bringen. Doch auch gut festhalten muss man sich in Honeymoon, mit 7c+ wurde sie die derzeit schwierigste Kletterei in den Montagne des Français. Die Zeit verging wie im Flug - Vroni konnte die Erstbegehung von Omesberger Marillenmarmelade (6c), eine kurze, aber durchaus interessanten Route, für sich verbuchen; ich erinnerte mit Michl sauf! (7b) unser neugeborenes Kalb zu Hause daran, doch endlich mal von der Mutter zu trinken – prompt begann schon ein neues Abenteuer.

Inseltrip - wie Robinson Crusoe

Wir hatten ein paar Tage auf Nosy Andantsara, eine 200x200 Meter große Insel mit Sandstrand und eigenem Klettergebiet, gebucht. Mathieux Delacroix, ein „gestrandeter Franzose“ und sein Team von New Sea Roc, organisieren einzigartige Trips zu der heiligen Inselgruppe des Nosy Hara - Archipels. Mit zwei Köchinnen, einem vierköpfigen Fischerteam und Mathieux ging es zuerst 2 Stunden mit einem Allradfahrzeug durch die Wildnis und dann weitere 2 Stunden mit dem Boot zur Insel. Wie Robinson Crusoe wohnt man dort in einer Felshöhle und ernährt sich vom frisch gefangenen Fisch. New Sea Roc achtet streng auf die Gebote auf den heiligen Inseln. Zum Beispiel darf nicht mit ausgestrecktem Finger auf eine Insel gezeigt werden, Lärm ist tabu und die eigenen Geschäfte werden nur im Meer verrichtet. Das Basislager ist bestens eingerichtet, sogar Duschen und eine Toilette gibt es. Umgeben von einer wunderschönen Unterwasserwelt mit farbenprächtigen Korallen und Fischen bietet Nosy Andantsara 40 Kletterrouten zwischen 3 und 8b an perfektem Karstkalk. Mit einer Sondergenehmigung ist das Klettern auch auf Nosy Anjombavola, der fünf Minuten entfernten Nachbarinsel erlaubt. Dort gibt es noch einmal 40 Routen zwischen 5 und 8a.

Paradiesische Felsen

Zurückgekehrt von unseren Erlebnissen auf den heiligen Inseln, beschäftigten wir uns noch einmal eine Woche in den Montagnes des Français. Klaus machte nicht nur gute Bilder, er machte auch beim Klettern keine schlechte Figur – mit Salut vazaha (6c+) gelingt im eine knackige Erstbegehung, bevor er sich mit Uli ein paar Tagen dem Tauchen vor Nosy Be widmete. Für uns ging die Zeit langsam dem Ende zu, wir erkundeten noch die durch Tropfsteinhöhlen erreichbaren, mystischen Sektoren rund um den Garten Eden und ich vervollständige mit Reste chez moi (7a+) unseren Sektor Honeymoon. Am Schluss stellten wir einstimmig fest: Die Zeit verging viel zu schnell, Paradies wir kommen wieder!

Topo Sektor Honeymoon - pdf (700 KB)

 
© 2015 Mag. Albert Leichtfried - Meteorologe - Bergführer - Extremkletterer
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